Küssnacht verunmöglicht sich selbst das Wunder
Rubrik: Spielbericht, TopnewsVon: Urs Arnold
Fussball, 2. Liga Regional: FC Küssnacht – SC Emmen 1:2 (1:1)

Ein enttäuschter Petruccelli kann nach dem Spiel den Abstieg noch nicht fassen.

Angriffe über rechts, hier mit Gisler und Minelli, wurden von den Küssnachtern in der ersten Halbzeit zahlreich vorgetragen.

Spaqi sorgte wiederholt im gegnerischen Straufraum für Unruhe.

Gisler versucht in der Schlussphase alleine noch die Partie umzubiegen.
Der FC Küssnacht verliert gegen den SC Emmen und steigt in die 3. Liga ab. Besonders hart: Die Niederlage war wohl die unnötigste der ganzen Saison.
Da steht er vor seinen konsternierten Spielern und gibt sich als fairer Sportsmann: „Ich gratuliere Emmen. Wir haben es nicht geschafft“, presst FCK-Trainer Sigi Würsch mit regungsloser Miene heraus. Auf der anderen Seite feiern die Emmen-Spieler den Klassenerhalt - das, was eigentlich die frenetischen Heimfans mit ihrer Mannschaft vorhatten. Doch nach einem wahrlich nervenzerreissenden Endspiel bleibt ihnen wie der Mannschaft lediglich die Fassunglosigkeit über die verpasste Möglichkeit.
Anfängliche Unsicherheit und spätere Dominanz
Denn im Gegensatz zum diskussionslosen 0:3 gegen den SC Schöftland vor Jahresfrist, welches den Abstieg aus der 2. Liga-Interregional besiegelte, hielt der FC Küssnacht praktisch über die ganze Partie alle Trümpfe in der Hand, den Gegner zu schlagen. Dies selbst nach einer schwierigen Anfangsphase: Knez foulte in der 7. Minute als letzter Mann Colatrella und bekam dafür glücklicherweise nur Gelb. Nach dem von Muff verwandelten Penalty wurde der FC Küssnacht aber wieder einmal mit einem frühen Rückstand konfrontiert. Das darauffolgende Abwehrverhalten der Rigidörfler liess vorerst Unheil erahnen: Unsicher köpfte man immer wieder die Bälle vor des Gegners Füsse und liess so die Emmener zu einigen hochkarätigen Chancen kommen.
Bis zur Mitte der Halbzeit konnte der FC Küssnacht jedoch zusehends Stabilität in sein Spiel bringen. Die hauptsächlich über rechts vorgetragenen Angriffe resultierten nun endlich auch in hervorragenden Torchancen für Gisler und Spaqi. In der 34. Minute waren es dann auch ein Zusammenspiel dieser beiden Spieler, die zum 1:1 führte: Gisler flankte zu Spaqi, welcher kaltschnäuzig den Ball rechts am Emmener Goalie Mihajlovic vorbei ins Tor schoss.
Dem grenzenlosen Jubel im mit 300 Zuschauern hervorragend besuchten Luterbach-Stadion folgte eine wahre spielerische Demonstration des FC Küssnacht. Innerhalb von zehn Minuten erarbeitete sich das Team Chance um Chance, öfters auch unter der gütigen Mithilfe des unsicheren Emmen-Keepers. Spaqi hatte zwei Minuten nach seinem Treffer die grösste, als er nach einem 40-Meter-Zuspiel nur den Pfosten traf. Trotz seines Ausgleichstores sollte der Stürmer im Verlaufe der Partie zur tragischen Figur werden.
Zwei Penaltys entscheiden das Spiel
Die zweite Halbzeit startete so, wie sie die erste aufgehört hatten. Unter lautstarker Anfeuerung durch Zurufe und Kuhglocken schnürte der FC Küssnacht seinen Gegner ein und erspielte sich mit teilweise sehenswertem Kombinationsfussball weitere Chancen. Der erlösende Führungstreffer schien in dieser Phase lediglich eine Frage der Zeit. Emmen dagegen konnte sich nur mit dem einen oder anderen Konter ein wenig Luft verschaffen.
Nach zig vergebenen Chancen wurde in der 73. Minute den Küssnachtern die Führung sozusagen auf dem Silbertablett präsentiert, als Goalie Mihajlovic Gisler im Strafraum fällte. Spaqi trat für den Elfmeter an – und schoss ihn ans rechte Lattenkreuz. Damit war das Drama im Luterbach perfekt.
Dachte man jedenfalls. Während die Küssnachter nun nämlich immer vehementer das Führungstor suchten, nutzten die Emmener den gebotenen Raum für Konter. Einer davon besiegelte dann das Küssnachter Schicksal in der 81. Minute. Der schnelle Beeler hatte den letzten FCK-Abwehrspieler überrannt und wollte das gleiche mit Goalie Gachnang tun. Dieser hechtete in den Ball und spielte ihn offensichtlich – in den Augen des Referees Ettlin aber erst, nachdem er das Bein von Beeler berührt hatte. Zum Schock der Küssnachter Anhänger entschied er auf Strafstoss – der eingewechselte Gashi verwandelte diesen souverän zum 1:2.
Nächstes Jahr in der 3. Liga
Für eine Reaktion fehlten dem FC Küssnacht danach sowohl die Zeit als auch die Kraft. Und so wurde mit dem Schlusspfiff der Abstieg dann doch Realität, trotz guter Leistungen in den letzten zwei Monaten, trotz des riesigen Chancenplus im letzten Spiel. „Dieser Emmener hätten wir schlagen müssen“, meinte ein frustrierter Sergio Minelli nach dem Spiel. Schlussendlich aber fehlte es den Küssnachtern am kühlen Kopf, unter Druck reüssieren zu können. Minelli: „In solchen Situationen kommt halt alles zusammen. Bereits in der ersten Halbzeit vergaben wir ja mindestens drei hochkarätige Chancen. Und wenn wir den Penalty machen, ist der Sack zu.“
So aber steigt das Team nach einem Jahr 2. Liga Regional als Letztplatziertes direkt in die 3. Liga ab. Weit entfernt sind damit die Zeiten, als der FC Küssnacht noch in der 1. Liga spielte. Nun muss versucht werden die Mannschaft, welche in der Rückrunde mehr und mehr eine Einheit wurde, zusammen zu halten. Denn schlussendlich waren es die zahlreichen Abgänge nach dem Abstieg im letzten Jahr, welche Küssnacht im Vorfeld der Meisterschaft 2009/2010 bedeutend schwächten und das Debakel des Durchreichens in die 3. Liga einleiteten.
FC Küssnacht – SC Emmen 1:2 (1:1)
Sportanlage Luterbach. - 300 Zuschauer. – SR Ettlin. – Tore: 7. Muff 0:1. 34. Spaqi 1:1. 81. Gashi 1:2. – FC Küssnacht: Gachnang; Hoti, Knez, Qeta (83. Kleck), Hüsler; Petruccelli, Gisler, Kaiser, Sonntag (71. Somoza), Minelli; Spaqi (90. Meyer). – SC Emmen: Mihajlovic; M. Beeler, Muff, Wüest, Tolaj; Baumgartner, Jusic, Shala (51. Meier), Hügi; Colatrella (23. Gashi), C. Beeler (86. Türkal) - Bemerkungen: Verwarnungen: 6. Knez. 47. Shala. 53. Wüest. 73. Mihajlovic (alle Foul). 79. Muff (Reklamieren). 81. Gachnang (Foul). 36. Pfostenschuss Spaqi.
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